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FURIOS Campusmagzin: Released!

«Verrückt ist, wie altbacken die Asta-Fritzen aus Dahlem immer noch sind. Sie haben nichts zu sagen - außer die Vergangenheit anzubeten. Wo die sind, ist hinten. […] Das ist die große Leerstelle der Freien Universität.

Wann setzt sich endlich eine Studierendenschaft als politische Kraft an der Uni durch, die wieder etwas zu sagen hat? Die das akademische Leben spannender macht, die interessante Zeitungen herausgibt und nicht bloß rechts (Landowsky, Diepgen) oder links ist (ehemals Rabehl etc.)?»

Das schrieb die fiese, AStA-hassende und überhaupt erzkonservative Liberale Hochschulgruppe die linke «taz» in ihrer Ausgabe vom letzten Donnerstag.

Was soll man dazu noch sagen?

Vielleicht so viel: Diese Woche startet FURIOS, das neue studentische Campusmagazin an der FU Berlin!

Seit 60 Jahren gibt es die Freie Universität. Seit 40 Jahren ist sie bekannt fürs Kritisieren (unser Heft wurde ja zerrissen, bevor wir begonnen haben). Wir dachten also, dass es an der Zeit wäre, einfach mal wieder zuzuhören. So ist FUROS entstanden. Ihr findet das Heft überall auf dem Campus!

Ob wir eine interessante Zeitung gemacht haben und etwas zu sagen haben werden, dieses Urteil überlassen wir euch Lesern! Zum Beispiel bei Facebook oder StudiVZ.

Die Silberlaube hat ihre Aufgabe erfüllt. Sie hat dazu beigetragen, dass sich an einer Universität mit mehr als 30′000 Studierenden die richtigen Leute gefunden haben. Silberlaube und FURIOS sind und waren voneinander unabhängig. Aber dank FURIOS braucht es Silberlaube nicht mehr.

Weiter geht es auf www.furios-campus.de !

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December 9, 2008. K-Strasse. No Comments.
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Immatrikulationsfeier: Skandalfragebogen!

Zusätzlich zur Ausweiskontrolle bei der Immatrikulationsfeier mit Horst Köhler hat die Freie Universität Berlin, in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt, den folgenden Fragebogen für sämtliche Besucher ausgearbeitet:


Im Folgenden soll festgestellt werden, ob die Person ______________________ ______________________ aus _____________________ (bitte Deinen Vor- und Nachnamen sowie Wohnort eintragen) ein Attentat auf den Bundespräsidenten (Horst Köhler) im Rahmen der Immatrikulationsfeier 2008 an der Freien Universität Berlin plant.

1. Horst Köhler führt regelmässig die Rangliste der beliebtesten Deutschen Politiker in der Zeitschrift DER SPIEGEL an. Er hat entsprechend viele Neider.

Trifft einer der folgenden Namen auf Dich (Sie) zu?

☐ Angela Merkel

☐ Guido Westerwelle

☐ Stefan Aust

☐ Wolfgang Schäuble

☐ Bischof Wolfgang Huber

☐ Keiner der Namen trifft auf mich zu (siehe Namenangaben oben!)

2. Bitte folgende Frage spontan (!) beantworten:

Was verbindest Du mit dem Codewort „Valkyrie“?

☐ Tom Cruise

☐ Angela Merkel (falls noch nicht oben angekreuzt)

☐ Horst Köhler

☐ Adolf Hitler

3. Welchen der folgenden Gegenstände hast Du heute ausnahmsweise mit dabei?

☐ Klappmesser

☐ Regenschirm mit Spitze

☐ iPhone mit iBoom Add-on

☐ Ich trage von diesen Gegenständen alle immer / keinen heute auf mir.

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November 4, 2008. K-Strasse. No Comments.
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K-Strasse

Das war schon immer so. Das kann man Scheisse finden. Aber so ist das nun mal. Verstanden? Gut.

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Über die lästige Pflicht, seine Hand während einer StuPa-Sitzung aus einem Teller Pommes zu heben.

Inkognito besuchte der Autor dieses Beitrags eine StuPa-Sitzung und wurde sofort erkannt: Gegen eines der Juso-Mitglieder hatte er mal gefochten («Du auch hier?!») und der Abgeordnete der kritischen Liste seines Instituts winkte ihm nur deshalb nicht zu, weil seine Hände an einem Kasten Bier für die Parlamentskollegen blockiert waren. Man nickte sich zu. Erst jetzt bemerkte der Autor sein Malheur: Er hatte sich versehentlich mit einem weissen Hemd in die Reihen der komplett schwarz bekleideten AStA-Koalition gesetzt.

Zur Vorbereitung der Sitzung bat ein Mitglied dieser schwarz-schwarzen Koalition seinen Amtskollegen, ihn doch bitte zu stupsen, wenn er jeweils die Hand zur Abstimmung heben müsse. In der Zwischenzeit deponierte er diese in einem Teller Pommes. «Können wir nicht über alle zusammen abstimmten?» wollte er dann auch wissen, als die neuen vorbestimmten Kandidaten für den Studentischen Verwaltungsrats gewählt durchgewinkt durchgestupst werden sollten. Das erlaubte die Wahlordnung leider nicht. So musste er immerhin vier Mal sein Pfötchen aus den Fritten heben. Weil sich die Oppositionsgruppen der Stimme enthalten hatten, erklärte «Georg, SDS-Die-Linke-Punkt-FU» (so stellte er sich jeweils vor) im Anschluss, dass seine Fraktion nicht aus Boshaftigkeit die Wahl verweigert habe, sondern weil sich keiner der Kandidaten im Voraus vorgestellt hatte. Man wusste also eigentlich nicht, für wen man seine Hand aus den Pommes hob.

Weder das autonome Schwulenreferat, noch das autonome Lesbenreferat oder das autonome Frauenreferat wollen dem StuPa Protokolle vorlegen, aus denen zumindest hervorgehen würde, dass in ihnen überhaupt jemand gewählt wurde. «Das war schon immer so!» verteidigte ein ehemaliges Mitglied des Schwulenreferats, einer Bastion der Tradition, diesen Umstand.

Ohne dass er gestupst wurde, fühlte sich nun auch der Junge mit den Finger in den Pommes veranlasst, zu einer Rede anzusetzen, die die längste (übertraf sowohl «Das war schon immer so!», als auch «Das geht dich nichts an!») und tiefsinnigste (siehe vorangehende Klammerbemerkung) des Nachmittags werden sollte. Es war eine Rede über das Bewahren von Traditionen und den Respekt gegenüber den Entscheidungen seiner Vorfahren. Zusammengefasst: Das wurde so bestimmt; das kann man Scheisse finden; aber das ist nun mal so. Anders als seine schwarzen Amtskollegen im Bundestag stellte er aber nicht etwa nach jedem Satz die Frage: «Nicht wahr?», sondern schloss seine Sätze mit einem: «So.» Was so viel bedeutete wie: «Verstanden? Gut.» Jeglicher Tradition und Schulmeister-Rhetorik zum Trotz, erdreiste sich ein Mitglied der oppositionellen Jusos, den Antrag zu stellen, dass auch die autonomen Referate ein Protokoll vorlegen müssen. «Georg, SDS-Die-Linke-Punkt-FU» bat, eine Fürrede für diesen Antrag zu halten. Doch stellte Tigergürtel, die mit nichts ausser ihren schwarzen Kleidern und einem Tigergürtel bekleidet war, einen Antrag auf Nichtbehandlung des Antrags. So. Dem stimmte sogleich die gesamte schwarz-schwarze Fraktion zu, inklusive dem Typen in der hintersten Reihe mit dem T-Shirt: «Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten.» Verstanden? Gut.

So. Weitere Nachrichten: Der Autor Ulrich Peltzer hätte sich in seinem «Creative Writing»-Seminar – das er eigentlich nicht «Creative Writing»-Seminar nennen möchte – von seinen Studenten mehr Dogmatik gewünscht. Verstanden? Gut. Gegenüber der OSI-Zeitung (pdf) verrät Bodo Zeuner, Professor für Politikwissenschaft, weshalb er die fu frühzeitig verlassen hat: Eine Studentin brachte ihm zwei Mal ein ärztliches Attest ins Seminar. Da sei er gegangen. So. Verstanden? Gut. Auch der Autor dieser Zeilen sollte bald einen Grund zum Gehen erhalten: Kein Attest, aber immerhin einen Master-Diplom der Freien Universität Berlin. Spiegel Online empört sich unterdessen über Freie Universitäten in der Schweiz, die zwar nur einen Briefkasten haben, aber ebenfalls Master-Diplome vergeben. Dem wolle die Schweizer Regierung ebenso wenig einen Riegel schieben wie der Steuerhinterziehung. «Ach die Schweiz!» entgleitet es da dem Autoren. Sie pflegt noch einen letzten Rest Anarchismus in Deutschland. Verstanden? Gut. (mf)

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July 20, 2008. K-Strasse. No Comments.
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Bild: Umbau- / Übermalarbeiten, Kennedy-Institut.

«Quo vadis, Amerika?» fragt das neuste Buch der editionBlätter, unter anderem mit einem Beitrag von Barack Obama. Die Morgenpost schreibt, dass Obama noch diesen Monat nach Berlin kommt. Präziser war, wie üblich, die B.Z.: Vielleicht komme er noch diese Woche! «Obama vor dem Schöneberger Rathaus, dem Big Ben, dem Eiffelturm oder gar mit Staatschefs: Solche Bilder machen sich im Wahlkampf gut», sagt Irwin Collier vom Kennedy-Institut gegenüber der Zeitung, die ich in der S-Bahn immer wieder gerne lese, bis sie mein Nachbar in seinen leeren Aktenkoffer packt, nochmals einen Schluck aus der Jackeninnentasche nimmt und am Bundesplatz den Zug verlässt. Der Lokalsender «Tele Dahlem Dorf» füllt sein Sommerloch mit einem Bericht über die Umbauarbeiten unserer Instituts-Bibliothek. – Oh, Pardon, eine Falschmeldung: Es war die Tagesschau der ARD. Mit dem Beitrag verändert sich meine Statistik, wie oft ich unseren Universitätspräsidenten D. Lenzen bereits gesehen habe, wie folgt: In Filmen: telegene 7x (+1) – Auf Fotografien: fotogene 21x (unverändert seit zwei Tagen) – Als Karikatur/Fotomontage/Skulptur: immerhin 6x (unverändert seit drei Tagen) – Real: distanzierte 1x (unverändert seit zwei Jahren). Der Funpreneur-Wettbewerb, ein Innovationsschub der fu, zeichnet das Projekt einer virtuellen Universität mit dem ersten Preis aus: Vorlesungen werden aufgezeichnet und ins Netz gestellt.

Auf Spreeblick schreibt Malte Welding: «Wenn man … lediglich eine bestehende mittelmäßige Uni nimmt, ihr das Etikett „Exzellenzuni“ anpappt und dann weitermacht wie gehabt, mit denselben Professoren, denselben lieblosen Einrichtungen, dann wird es sein wie eh und je: Die Geldelite wird ihre Kinder auf private Schulen und Hochschulen schicken und somit auch die Elite von morgen stellen.» Man müsse aus der Bildung eine nationale Aufgabe machen, vergleichbar mit dem Amerikanischen Flug zum Mond. Professoren müssten, wie Fussballer, von amerikanischen Elite-Unis abgeworben werden. Aus der Baustelle vor der Silberlaube ist immerhin nicht, wie befürchtet, ein liebloser Parkplatz geworden, den man, wie damals in Berekely, aus Protest hätte umgraben und in einen Park verwandeln können. Stattdessen ist ein Beachvolleyballfeld entstanden (in das man aber, falls Bedürfnis zum Protest gegen das Feld besteht, noch immer ein Maisfeld sähen könnte). Die sympathische studentische Plattform Margins sammelt unterdessen Beiträge für ihre nächste Tagung. Thema: Paradiesische Zustände. Wissenschaftlern der fu und der tu ist es gelungen, «den Bildungsweg des Sexuallockstoffes der parasitisch lebenden Wespenart Nasonia vitripennis zu entschlüsseln und dessen Produktionsort zu lokalisieren». (mf)

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July 6, 2008. K-Strasse. No Comments.
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Rule, Britannia

«How’s you Pai Tan Gao?» – «Nice. How’s yours?» - «Very nice.»

Über einem thailändischen Pai Tan Gao fällt Kerstin ihr deutscher Akzent auf. Das scheint in England einsam zu machen.

Noch habe ich eine Schonfrist, bevor der Unialltag beginnt. Die verbleibenden Tage zwischen meiner ersten Vorlesung und der Matrikulation werden mit mentaler Vorbereitung ausgefüllt. Die umfasst Sicherheitsbelehrungen, eine obligatorische Untersuchung bei der college-eigenen Madam Pomfrey (sprich: Krankenschwester) und einen Probefeueralarm morgens um halb sechs. Außerdem darf ich unter Anleitung des IT Departments das Internet in meinem Zimmer installieren, sodass ich morgens – während meine Haare lufttrocknen, da ein Kontinental-Fön nicht der beste Freund der englischen Steckdose ist – meine Emails checken kann. Und das ist auch bitter nötig, wie sich bald heraus stellt, denn zwischen Dienstag Abend und Mittwoch Morgen hatte ich zehn neue Mails in meinem Postkasten. Tendenz steigend. Certainly, none selling Viagra, denn mit Eintritt in die Universität bekommt man seine eigene, persönliche, streng gesicherte Emailadresse automatisch zugeteilt. Strictly no spamming. Statt dessen Information des Tutors, des Senior Tutors, des Domestic Bursars, des Financial Advisors, des Head Porters, und zu guter Letzt der Director of Studies. Alle wollen mit mir sprechen, mich kennen lernen, mir den Alltag erleichtern, das Studium schmackhaft machen, kurz: sich um mich kümmern. Mit den direkt für mich zuständigen Personen habe ich ein persönliches Treffen, den anderen begegne ich bei einer der vielen Veranstaltungen.

Und nach dem offiziellen Personal lerne ich auch langsam meine internationalen und britischen Mitstreiter kennen. Ich begebe mich tapfer in Pubs, Bars, Versammlungsräume und Gemeinschaftsküchen, trinke Ale, Pimm’s & Lemonade, Green Goblins, esse Burger, Chips ohne Fisch und sticky toffee pudding, und bin fest entschlossen, mein uneingeschränkt glorifiziertes Bild von England und seinen Einwohnern in keiner Weise einschränken zu lassen. Britons are friendly, polite, and adorable. Punkt. Der Anfang ist leicht, denn es stellt sich heraus, dass nahezu alle Engländer schon mal in Berlin waren, alle Engländer das Jewish Museum besucht haben, und alle Engländer sehr beeindruckt waren. Daneben mochten die meisten noch „that huuuuge gate“. Ich vermerke: Berlin als Ausgangspunkt anbieten zu können ist sehr hilfreich, und in mir steigt Mitleid auf bei dem Gedanken an meine deutschen Kollegen aus Wuppertal, Gütersloh und Bad Mergentheim.

Aber man soll den Tag nicht… es geht langsam ein wenig bergab. Das Treffen mit meinen College Mums, also Studenten höherer Semester, die sich mir verlorener Brut annehmen, war nämlich, leider, leider, ein Desaster. Wir waren bei einem Thailänder, meine beiden mummys und meine Schwester, wo sich auch noch einige andere Mums mit ihren Daughters getroffen haben (manche hatten sogar ihre Grandmothers dabei, also die College Mum der College Mum, andere ihre Aunties; long live genealogy!) Wir saßen also in einer Ecke, wurden mit Krabbenchips gefüttert, weil das Essen auf sich warten ließ, und waren umgeben von funktionierenden Familien. Während es um uns lachte, schauten wir auf unsere Teller, gelegentlich unterbrochen von: „How’s you Pai Tan Gao?“ „Nice. How’s yours?“ „Very nice“. Möglicherweise die Sprachbarriere, aber auch meine Schwester ließ den Kokosreis geradezu gesprächig aussehen. Traurig, aber wahr; wir sind jetzt schon verwaist. Wer Oliver Twist gelesen hat, weiß, dass das in England kein Zuckerschlecken ist; ich sehe schon Fagin vor meinem Fenster herum strolchen, uns verlassene Bündel mit sich nehmend, und dann gehen wir durch die harte Schule der Straßenjungen, klauen Seidentaschentücher und tragen viel zu große Schuhe und viel zu weite Jackets, sind froh, abends einen harten Kanten Brot zu finden, und wenn der Boss nett ist, gibt’s ein Stückchen ranzigen Speck.

Ich muss konstatieren: Mühe und guter Wille alleine genügt nicht. Und: Englisch ist eine verflixt schwere Sprache. Erschwerend kommt hinzu, dass der Engländer an sich sehr viel Wert auf eine integrale Fähigkeit seines sozialen Daseins legt: Small talk. Es plappert an mir vorbei, während ich mir die Sätze zurecht lege, ist das Wetter schon passé, und sie sind beim Cricket, von dem ich die Regeln nicht kenne, aber bevor ich fragen kann, ist man bei Jonathan Ross, Fridays, 10.30pm, BBC1. Ich bin aufgeschmissen, und erscheine mir selbst wie der typische deutsche Tourist, der die Sprache nicht spricht, was ihn aber nicht davon abhält, sich selbstbewusst-ignorant im Land einzunisten. Auf einmal fällt mir mein eigener deutscher Akzent auf (diese harten, abgehackten Laute, die so gerne parodiert werden, und zwar zu recht), und ist mir peinlich. Englisch ist doch eine Weltsprache, spricht doch jeder. Jeder, so scheint es jedenfalls, außer mir.

Coming Soon: The adventure begins. My first lectures are to be attended, my first essays to be written. Who’d have known that hours can spin away that fast, that a 24/7 library has actually its virtues, and that leo.org can prevent a nervous breakdown?

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June 27, 2008. Rule, Britannia. No Comments.
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