Herrfischer

GOT THE WOHNHE!M FEELINGi

Mittagstischinsel

Vielleicht habe ich mich nur deshalb für einen Urlaub in einem Studentenwohnheim entschieden, weil neuerdings auf der Mittagstischinsel der FU Mensa II nicht mehr nur eine exotische Palme steht, sondern auch ein Kleiderschrank mit der Werbung «GET THE WOHNHE!M FEELING…» und weil ich mindestens einmal pro Semester mit dem Gedanke spiele, meine entlegene Wohnung in Friedrichshain doch noch gegen ein Wohnheimzimmer nahe Dahlem einzutauschen.

«So let’s get a little bit of this Wohnheimfeeling!» dürfte ich mir noch gedacht haben, als ich mich nach dem Essen in den Schrank stellte, die Tür zumachte, «Hexhex!» sagte und, als ich wieder nach draussen trat, im Wohnheimzimmer meiner Freundin, im Heinrich-Heine-Haus der Cité Internationale Universitaire in Paris stand.

(Die Wahrheit ist: U5 Ri. Alex, TXL-Express Ri. Airport, TXL-CDG, RER B2 n. Cité Universitaire und den Rest à pied. Nur ist der Clou dieser Geschichte, dass ich in Paris noch immer mein Tablett aus der Mensa, meinen Teller, das Besteck und ein letztes Stück frittierten Fisch mit dabei haben werde, was sich nun mal nicht anders nach Paris transportieren lässt als über eine kindische Zauberei, siehe oben.)

Ich also mit meinem Tablett im Wohnheimzimmer meiner Freundin angekommen. «Kann ich das irgendwo abstellen?» frage ich als erstes. Könnte ich natürlich auf dem Schreibtisch, der aber ist mit Papier belegt. Könnte ich auch auf dem Bett, das aber nicht befleckt werden darf. Könnte ich vielleicht auf dem Waschbecken, wobei aber der Fisch mit Wasser übergossen werden könnte. Könnte auf dem Boden, nur werden wir den wenigen noch brauchen, um uns zu bewegen. Kann ich also nirgends. Und sie sagt nur: «Nimm mal mit!»

Ich also nehme mal mit. Durch Paris. Nehme mein Tablett mit zum anprobieren eines neuen Hemdes (selbst wer durch einen Kleiderschrank nach Paris gelangt fühlt sich, von Berlin her kommend, zunächst mal extrem schlecht angezogen), hab’s mit dabei beim Besuch des Centre George Pompidou (wobei mich das Personal zunächst nicht rein lassen wollte, dann aber eingestehen musste, dass es unwahrscheinlich ist, dass ich auf dem Tablett ein Kunstwerk aus dem Museum schmuggeln würde), nehm’s mal mit ins Restaurant, wo ich sage: «Für mich nichts, danke, hab noch aus Berlin!» und trage es an Mariä Himmelfahrt neben einer Prozession her, die eine Marienstatue durch die Pariser Strassen schultert. Meine Urlaub im Studentenheim entpuppt sich als nichts anderes als eine Zusatzschleife des täglichen Gangs durch die Mensa, während dem man nichts anderem folgen darf als seinem Tablett. Ich folge ihm abends unter die Dusche und nehme es Nachts mit ins Gästebett, weil Gäste zwar vorgesehen sind und jedes Zimmer exakt so viel Raum zwischen Schrank und Fenster hat, damit man Bett darin aufklappen kann, allerdings keine Abstellplätze für Gäste aus der FU Mensa II mit Tablett eingeplant hat.

Im Studentenwohnheim lasse ich das Tablett selbstverständlich von allen signieren. Weil er zum Frühstück gerade nichts besseres zur Hand hat, schreibt mir der kleine Amerikanische Ostküstenstudent ein bisschen O-Text aus Kants Kritik der reinen Vernunft drauf. Ein anderer wünscht den Berliner Studenten «weiterhin bon appétit!» und die Marokkanerin notiert freundlicherweise ein Rezept für die Küche dort.

«Und hast es gekriegt, the Wohnheimfeeling?» fragte Kollege Jon, als wir uns nach den Ferien endlich wieder einmal zum mensen trafen. Ich antwortete etwas im Stil von Naja. Fühle sich irgendwie an, als ob man ständig ein Tablett vor sich her tragen würde. «Verstehst du?» In jeder Körperhaltung hast du so ein zweckbedingtes Möbel vor dir. Wenn du sitzt, dann sitzt du am Schreibtisch und schreibst. Wenn du liegst, dann liegst du auf dem Bett und schläfst. Und wenn du stehst, dann stehst du vor dem Waschbecken und wäschst dich. Da ist überhaupt kein Platz zum Umfallen oder so was ähnliches. «Weisst du was ich meine?» Und er, er schaute mich an, schaute hinaus auf den Innenhof der Silberlaube, schaute durch die Tischreihen der Mensa und sagte: «Klingt wie Dahlem.»

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August 27, 2007. Herrfischer. No Comments.
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3D-Gruss aus Paris

Mit ein wenig Verspätung eingetroffen: 3D-Postkarte aus Paris: Im Massstab 1:10 nachgebautes Studentenwohnheimzimmer des H-Heine-Hauses an der Cité Internationale Universitaire, wiederaufgebaut in der Mensa der Freien Universität Berlin:

Wohnheimzimmermodell

PS: Student/in scheint kein begehrtes Rollenmodell unter Kindern zu sein. In keinem Spielwarenladen liess sich eine Studentenpuppe auftreiben, mit der man das Zimmer hätte bevölkern können. Ist unsere studentische Existenz so was von umspektakulär?

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August 26, 2007. Uncategorized. No Comments.
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Wenn die Welt unter einem umgebaut wird

Liebe Hannah. Offenbar hast auch du dich dem Trend zur Heimarbeit angeschlossen und schreibst zu Hause. Falls Du das Ambiente unserer Bibliothek [deren Keller gerade umgebaut wird; Lesesäle folgen in einem Monat] in dein Zimmer holen möchtest: Einfach folgendes Video bei hochgedrehter Lautstärke in einer Endlosschleife abspielen lassen und dich ganz auf Deine Forschungsliteratur konzentrieren. Grüsse aus der lautstarken Bibliothek .m

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August 20, 2007. Uncategorized. No Comments.
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Der Tag, an dem die Asta-Brauerei verschwand

Zurück aus dem Urlaub werde ich sogleich mit einem Artikel auf Spiegel Online konfrontiert (danke Ronny für den Hinweis), der über den neusten Polit-Streit aus den Sphären der Berliner Asten berichtet. Gehen tut es einmal wieder um was weiss ich, irgendwas, wie üblich. Sagen wir es war eine Brauerei, die Asta-Brauerei der TU Berlin, die in meiner ferienbedingten Abwesenheit vom Christlich-Demokratischen Asta in einem letzten politischen Akt verkauft worden war. Spiegel Online:

Der Kessel - ein zwanzig Jahre altes Objekt der Firma Heidelberg Bräu - war das Herz der Asta-Brauerei an der Technischen Universität Berlin. In ihm hatten die Studenten seit Anfang der achtziger Jahre alles gebraut, was in ihrer Arbeit so anfiel - “und noch einiges mehr”, so Gottfried Ludewig [RCDS]. Die Brauerei sei von den ehemaligen Asten benutzt worden um linke Gruppen, die nichts mit der Uni zu tun haben, selbst mit Selbstgebranntem zu versorgen. (Vgl. Spiegel Online)

Klingt historisch. Aber bestimmt hat der Konflikt auch eine politische Dimension. Worum geht es also tatsächlich?

Vordergründig geht es im Kampf um die Brauerei der TU um einen 20 Jahre alten Braukessel, einen Abfülltrichter und ein paar Eimer Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! Tatsächlich tragen die Studenten in Berlin einen Kulturkampf aus, der überall dort tobt, wo der RCDS nach längerer Vorherrschaft linker Gruppen an die Macht kommt. […] Die Brauerei des TU-Astas spielte in der Infrastruktur der linken Szene Berlins eine wichtige Rolle: Viele politische Gruppen aus dem studentischen Milieu mischten hier ihre Säfte, Cocktails und Zaubertränke. (Vgl. Spiegel Online)

Und wie fiel die Reaktion aus?

Die Reaktion auf den Verkauf fiel heftig aus: Als am 10. Juli zum ersten Mal die blauen Umzugslaster kamen, blockierten rund sechzig Menschen die Einfahrt und den Eingang zum Asta-Gebäude, die Firma brach ihre Arbeit schließlich ab - “zu gefährlich”. Ein paar Tage später mauerten Unbekannte die Zugänge zu den Räumen der Brauerei zu und drapierten ihre Wand mit abgeschlagenen Flaschen. (Vgl. Spiegel Online)

Wurde der Asta für die Brauerei denn bereits einmal gerügt?

“Sogar der Rechnungshof des Landes hat den Asta im Jahr 2001 für die Brauerei gerügt”, sagt Ludewig. Der Rechnungshofs schrieb damals: “Die Brauerei (…) weist ihre Leistungen nicht nach. Aufgrund fehlender Auftragsbücher kann die Auslastung nicht beurteilt werden. (…) Aus studentischen Mitteln wird das Brauen politischer Aktivitäten Dritter finanziert”. (Vgl. Spiegel Online)

So weit die aktuelle Lage an der TU Berlin. Ich gebe zurück nach Dahlem.

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August 20, 2007. Uncategorized. 2 Comments.
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Dahlem ist schön

20070817 Img 4890

Update: Ist aber mittlerweile Nacht.

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August 18, 2007. Uncategorized. No Comments.
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