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Lukas 2, oder: Die Geburt der Freien Universität

Und heute repetieren wir, wie immer an diesem heutigen Tag, Lukas 2. Besser bekannt als: Die Weihnachtsgeschichte! Wir wollen also die Lutherbibel (Zwinglis Zürcher Version ist leider nicht online verfügbar, aber selbstverständlich: ich schreibe diese Zeilen von der Schweiz aus) aufschlagen und vielleicht eine Ahnung davon erhalten, weshalb es Präsident Lenzen an der diesjährigen Immatrikulationsfreier so explizit gefreut hat, «dass es erstmals gelungen ist, einen ökumenischen Gottesdienst der Studentengemeinden öffentlich anzukündigen» und er auch sonst jede Gelegenheit nutzt, die Gründungsgeschichte seiner Universität zu zelebrieren:

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem höchsten Sowjet ausging, daß alle Welt gebildet würde. Und diese Bildung war die allererste und geschah zur Zeit, da die Siegermächte Statthalter in Berlin waren. Und jedermann ging, daß er sich bilden ließe, ein jeder an seine Schule. Da machte sich auf auch Jo von Johannesburg [Name geändert], aus der Stadt Würzburg [Ortsangabe fiktiv], in das deutsche Land zur Stadt, die da heißt Berlin, damit er sich bilden ließe mit Mo [Name geändert], seinem vertrauten Freund; der war voller Gedanken. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie exmatrikuliert werden sollten. Und so gründeten sie ihre erste Universität auf einem Tischchen in einem einfachen Haus in Dahlem; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Stadt.

Und es waren Amerikanische Alliierte in derselben Gegend in ihrem Sektor bei den Berlinern, die hüteten des Nachts ihre Besiegten. Und Justitia trat zu ihnen, und die Klarheit der Gerechtigkeit leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und Justitia sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute eine Universität gegründet, welche ist die Freiheitliche, die Freie, in der Stadt Dahlem. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden die Universität an einem Tischchen. Und alsbald war da bei Justitia die Versammlung der universalen Gerechtigkeit, die lobten den Westen und sprachen: Veritas, Justitia, Libertas.

Und als die Deputierten von ihnen zurück fuhren, sprachen die Alliierten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Dahlem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns die Gerechtigkeit kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Mo und Jo, dazu die ersten Immatrikulationen auf dem Tischchen liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von dieser Universität gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Alliierten gesagt hatten. Mo aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in seinem Kopf. Und die Alliierten kehrten wieder um, priesen und lobten die Gerechtigkeit für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Und als acht Tage um waren und man die Universität [na ja, jetzt wird’s ein bisschen doof] beschneiden mußte, gab man ihr den Namen Freie, wie sie genannt war von Justitia, ehe sie in einem Kino in Steglitz empfangen war. […] Die Universität aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und die Gnade der Gerechtigkeit war bei ihr. [vgl. bibel-online.net]

Siehe auch: Über Krippenspiele an der Freien Universität Berlin sowie Letztes Tischgespräch (über Krippenspiele). Euch allen ein frohes Fest!

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December 24, 2007. Uncategorized. No Comments.
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Gedroht, nostalgisch zu werden

20071210 Img 5532

FU, FU, nicht-FU, FU, nicht-FU, FU, FU, möglicherweise FU, eindeutig nicht-FU, dafür das da drüben ganz sicher FU: Nie ist es in Dahlem so einfach wie zur Weihnachtszeit, die Villen der Freien Universität von den privaten zu unterschieden. Wo wer wohnt, da zieren jetzt Lichterketten die Fenster, hängen Glocken am Balkon, Adventssterne am Flaggenmast und im Innern der Häuser flackern Kerzen. Wo hingegen nur ein Institut untergebracht ist, schimmert wie immer Neonlicht.

Den einzigen Weihnachtsbaum auf dem Campus glaubte ich in der Glaskabine des Pförtners an der K-Strasse entdeckt zu haben. Aber da sei noch ein zweiter, meinte dieser (der Pförtner), der das Innenleben unserer Universität wie kein zweiter kennt. «Ach, wo denn?» fragte ich und dachte an eine stolze Tanne im Foyer der Mensa. «Am anderen Empfang, anderes Ende der K-Strasse!» meinte er. Wo tatsächlich nochmals so ein Plastikstrauch mit Lichterkette steht, dem sie um 18:00 Uhr jeweils den Stecker raus ziehen und den sie vor dem 4. Adventswochenende wieder zurück in den Schrank packen werden.

Hugo Chávez hat sich in Venezuela eine eigene Zeitzone eingerichtet und die Uhr eine halbe Stunde zurück gedreht. An der FU haben wir die Weihnachtszeit gleich ganz übersprungen und den Kalender einen Monaten nach vorn verschoben. Anstatt dass die Tannen auf dem Campus mit roten Sternen geschmückt worden wären, sind bereits Plakate mit «40 Jahre 1968. Die letzte Schlacht gewinnen wir.» an unsere Pappeln geklebt worden. Und über die E-Mail-Verteiler wurde zu einem studentischen «Strategie- und Protesttreffen» eingeladen, um über Aktionsformen wie «in die Hörsaale gehen, subversive Kommunikationsguerilla, Teach-Ins, Dieter-Lenzen-Fanclub, Vollversammlungen, Streik, Besetzung, Demo, Volksbegehren» im ‘08 zu beraten. Einzig das Präsidium, das nächstes Jahr das 60-jährige Jubiläum der FU feiern wird, hat in diesen Tagen noch nicht gedroht, nostalgisch zu werden. Aber Weihnachten feiern wollten auch sie nicht.

Wie es trotzdem dazu kam, dass ich am Abend des dritten grossen Strategie- und Protesttreffens plötzlich nur noch für die Karaokewünsche an der Weihnachtsfeier unseres Instituts zuständig war, kann ich mir rückblickend auch nicht mehr richtig erklären. Irgendwann hatte ich einfach diese abendgestalterische Aufgabe, den Leuten zu verklickern, dass das hier keine Castingshow sei und «Killing me softly» deshalb verboten wäre, musste nach einer Karaoke-Stimme für Jim Morrison suchen und all jenen einen Nikolausbart versprechen, die aus dringenden beruflichen Gründen (weil sie beispielsweise noch Studierende beraten müssen) nur inkognito «Santa Claus is Coming to Town» singen würden. Funktioniert hat es nicht, aber schön war die Weihnachtsfeier trotzdem. Von mir aus kann also im nächsten Jahr auch eine 68er-Karaoke mit Sit-Ins und Teach-Ins veranstaltet werden. Nur mitgesungen habe ich an der Feier nicht.

PS: Die Linke.SDS veranstaltet am Dienstag, 18. Dezember, einen Filmabend zum Thema «Venezuela nach dem Referendum», offizieller Beginn um 18:00 Uhr, aber wahrscheinlich aus Solidarität mit Chávez eine halbe Stunde später. Den gleichen Termin werden wir bekanntlich nutzen, um ein letztes Mal vor dem Jubiläumsjahr ‘08 mit einem unserer Professoren ganz ohne Hysterie über «68» zu diskutieren. Weihnachten war definitiv nächste Woche!

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December 17, 2007. Uncategorized. No Comments.
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Nur zwei Mal leben oder langsam sterben?

Bruce Lenzen

Es gibt Gesichter, die sich wie Zecken in den Augapfel beissen und sich so lange durch die Welt tragen lassen, bis sie plötzlich einen passenden Körper entdecken, auf den sie sich stürzen und von dem sie nie wieder weichen. Da war beispielsweise eine Dozentin, mit der wir gerade einen Text diskutierten und die dabei recht heftig mit ihrem Gesicht gestikulierte. Gesehen habe ich sie seither nie wieder. Denn plötzlich sah ich in ihrem Gesicht nicht mehr sie, sondern jemanden, den wir besser nur :-) nennen, da sein Gesicht wirklich jeder kennt und es unter allen Umständen zu vermeiden ist, dass :-) meine Dozentin wieder und wieder attackiert.

Nun mag man das Verteilen fieser Gesichter auch zum Denunzieren politischer Gegner einsetzen. Bloss sind Gesichter politisch in etwa so wählerisch wie Zecken mit dem Reiseziel Kopfhaut: Sie setzen sich fest oder tun es eben nicht; passen drauf oder halt nicht. Die politische Gesinnung ihre Opfers ist ihnen denkbar egal. Lenzen auf Blofeld beispielsweise, der hatte einfach gepasst.

Nachdem ich die Montage auf den Blog gestellt hatte, erhielt ich jedoch eine Mail von David Goldwich, in der er mir überzeugend darlegt hat, dass Lenzens Vergleichsgrösse nicht Blofeld, sondern eigentlich Willis sein müsse:

Beweis1

Weil unter der Montage «Stirb langsam, Bildungssystem!» stand, hielt ich das natürlich sofort für eine gezielte Anti-Lenzen-Kampagne. Aber nicht doch, schrieb David zurück. Er habe einfach einmal die Website des Präsidiums besucht und da sei dieses Bild gewesen und dann dieser Gedanke und dann habe er einfach nicht widerstehen können! Und das wiederum fand ich irgendwie überzeugender als jede bisherige Lenzen-Satire, weil das Gesicht einfach passte, weil es nicht gesucht, sondern gefunden worden war und weil es auf eine politische Agenda schon gar keine Rücksicht nahm (auch wenn ich selbstverständlich der Meinung bin, dass «Bruce Lencen» ikonographisch zwar überzeugend ist, dass aber Blofeld mit seinem «Man lebt nur zwei Mal» doch etwas zielstrebiger auftritt als Willis mit seinem «Stirb langsam» und insofern für einen Vergleich mit Lenzen wesentlich besser geeignet ist).

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December 11, 2007. Uncategorized. 3 Comments.
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