Rule, Britannia

Matriculation: Der Universität ins Gästebuch

Der “SDS” der Linkspartei hat die Freie Universität in «Benno Ohnesorg» umbenannt. Unterdessen schreibt Kerstin Koster ihren Namen in die Annalen der Universität Cambridge ein, fragt, ob die FU – oder BOU – ebenfalls exzellent sei, und spielt Batman [apropos].

Angekommen. Mein Zimmer ist von mir rechtmäßig bezogen worden, und alle Gegenstände auf meiner Inventurliste („Curtain, torn; Wall, parts ripped off; Chair, worn“) wurden penibel abgehakt, denn jeder Fleck, der vorher nicht da war, wird mich 10 Pfund kosten. Nach Abschluss des praktische Teil des Eingewöhnens, kann ich mich nun dem symbolischen widmen. Am Ende der Woche wartete die Matriculation Ceremony auf mich, für die ich weder eine Wartenummer ziehen, noch meine Fächerkombination genehmigt bekommen musste. Meine Auflage ist anderer Art: „We expect you to be dressed neatly.“ Ich ziehe also los mir eine Gown zu kaufen, diese in den Harry Potter-Filmen zu bewundernden schwarzen Umhänge, die mir schon bei der Anprobe das Gefühl grenzenloser Autorität verleihen. Nachdem ich mich für ein nachtschwarzes Dreieck verschuldet habe, schaue ich oberlippenrümpfend auf all die gown-losen Touristen, bis mich das Schaufenster unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück bringt. Dort hängt nämlich der wirklich gute Stoff. Des Kaisers große Kleider.

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April 24, 2008. Rule, Britannia. No Comments.
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K-Strasse

«Aber ein Bein ist ein Bein»

Silberlaube glänzt I

Willkommen im neuen Semester! begrüsst uns dieses Bild ganz herzlich. Doch beginnen wir mit einem Nachrichtenüberblick:

Die Freie Universität feiert demnächst ihr 60-jähriges Bestehen! Die «Silberlaube» richtet deshalb eine historische Wunderkammer ein und erzählt in ihrer rechten Spalte, wie damals manches gewesen sein könnte, beginnend mit dem Anfang, an dem ein Scherz war.

Auf Bitte des OSI-Club machen wir auf die Ringvorlesung «Medien/Demokratie. Politik und Journalismus in Berlin» aufmerksam. Erschienen ist ausserdem der 5. Newsletter des Kennedy-Instituts, u. a. mit einem Beitrag aus diesem Blog.

Während wir das Märchen von einem erzählen, der sich in eine Villa in Dahlem verirrt, berichtet auf «Spiegel Online» eine Kommilitonin, dass sie ihre Armut ankotzt. Ihre Klamotten seien fast alle markenlos. Soeben ist der 965. Diskussionsbeitrag (Korrektur: Nummer 973) zur «Studentin in Rage» erschienen.

Auch Diskussionen in der hiesigen Blogosphäre ziehen sich gelegentlich in die Länge, enden aber selten so schön wie diese hier auf FUwatch – ein Stück studentisches Kulturgut der Freien Universität 2008:

Die sommerliche Verwirrung beginnt ironisch: Nachdem hier, hier, hier und hier ein «Protestsemester» ausgerufen wurde, reagiert Ronny von der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) mit einem ironischem: «Juchhu!» Gegenmeinungen seien ja nicht zu erwarten, weil sich eventuelle Protestgegner von den Vollversammlungen sowieso abgestossen fühlten. Postwendend wirft ihm ein anonymer Stefan vor, die grosse Verschwörung der kleinen “linken Sekten” zu beklagen und die Studis auseinander zu treiben. Und Mathias von den kritischen Philosophen will wissen, ob er, Ronny, hier eigentlich ein künstliches “Wir [LHG] gegen die Anderen [unbekannte Variable]” konstruiere.

Antworten tut vorerst aber nicht Ronny, sondern Wolf. Ob “sie”, fragte er, meint damit zwar “sie”, die irgendwie linken an der FU, aber eben auch “sie”, Stefan und Mathias (was zwar das gleiche sein könnte, aber eben nicht muss), ob “sie” also wirklich glauben, dass die LHG den Boykott der ordentlich gewählten Fachschaftsräten akzeptieren werde? Diesen nicht thematischen Einschub lässt Mathias natürlich nicht auf sich sitzen und wirft Wolf «verfehlte Pauschalzuschreibung» von irgendwelchen Vorwürfen auf ein künstlich konstruiertes “Euch” und “Ihr” vor. Auch auf ihn, Mathias, beispielsweise. Das wiederum lässt Wolf nicht auf sich sitzen: Mathias arbeite mit rhetorischen Tricks!

«Och menno», meldet sich endlich Ronny zurück. Da meine er es mal lustig und dann arte das gleich wieder so aus. Also alles falscher Alarm. Ein Scherzanruf. Ab zurück ins Depot! – Doch will jetzt ein Dennis wissen, wo Wolfs Problem liegt. Wenn die 98% der Studierenden ihren A**** nicht hochkriegen, zur VV zu gehen, dann sei das nicht “unser” Problem. Das wiederum ist ein wenig konfus, weil ein “dennis” noch keine Gruppe ist. Also wessen Problem ist hier nun “unser” Problem nicht? Allgemeine Verunsicherung. Sicherheitshalber bezeichnen sich alle plötzlich nur noch mit Anführungszeichen. Das verleiht der Diskussion zwar eine postmoderne, diskursive Note, trägt aber nichts zur Klärung der einfachen Fragen bei: Wer streitet hier eigentlich mit wem? Und worüber?

In dem Moment setzt jedoch Dennis einen drauf und behauptet, dass die LHG ja sowieso kein Bein mehr auf den Boden kriege. Das wirkt zwar spontan auf die Bühne geschmissen und wird auch nicht weiter begründet, leitet aber elegant die Dürrenmatt’sche Wende in diesem Abende füllenden Bühnenstück ein. Sofort verteidigt Thomas, dass die LHG sehr wohl «ein Bein auf dem Boden» habe. Es möge, schränkte er zwar ein, nur ein kleines Bein sein. Doch dann schliesst er nicht etwa einem FU-üblichen: «Aber trotzdem werden wir “euch” damit kicken!», sondern macht das wahrscheinlich schlichteste und versöhnlichste Statement in der Studentischen Hochschulpolitik seit Rudi Dutschke. Einfach mal nur: «Aber ein Bein ist ein Bein.» Ist es ein rechtes oder ein linkes? Lässt sich das bei Beinen überhaupt so pauschal sagen? Gehört es zu einem jener Ä****, die 98% der Studenten nicht zum protestieren hochkriegen? Für ein Mal alles geschenkt. Und so lasst uns alle zum Refrain von Live-is-Life singen: «Bein ist Bein, na na, nana na!»

Auf ein heiteres Sommersemester!

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April 19, 2008. K-Strasse. 3 Comments.
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K-Strasse

Der Fisch im gläsernen Ball

John-F.-Kennedy-Institut, Bibliothek
(Ausgehängte Märchenerzähler in der Bibliothek)

Dies ist die Geschichte von Felix, einem Studenten, der einen Fisch in sein Studium integrierte, sich in eine Villa in Dahlem verirrte und Weg in der Universität verschwand.

Es war einmal ein Student, Felix, der hatte einen gläsernen Gymnastikball, der ging ihm über alles. Auf ihm sass er in der Bibliothek und studierte den ganzen Tag; und in ihm war ein Fisch im Wasser. Das war das einzige Tier, das er in die Bibliothek nehmen durfte.

Schwimmt ein Goldfische durch ein Wasserglas, vergisst er unterwegs, woher er kommt. So langweilt er sich nie. Aber Felix’ Fisch begann mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen. Deshalb musste er in seiner Kugel spazieren geführt. Rollte Felix ihn die Treppe runter, sagte er zum Fisch: «Rhein!» Und führte er ihn durch das Foyer, sagte er: «Kanal!» Aber der Fisch langweilte sich, je mehr er von der Welt kannte, immer schneller. Also musste ihn Felix aus der Universität hinaus führen. Da sagte er verzweifelt: «Atlantik!»

Aber die Universität lag in einem Stadtteil, da standen lauter Villen. Und eines Tages rollte Felix’ Ball in den Garten einer Villa. Da sagte er: «Oh nein!» Denn das Haus gehörte einer alten Witwe, die reich war und nie mit ihren Nachbarn redete. Felix fürchtete sich sehr vor dieser Frau, aber sein Fisch war ihm lieb. So ging er mutig zu dem Haus und klingelte recht schüchtern an der Tür. Die Frau öffnete und sagte: «Du sollst den Ball bekommen», sagte die Frau. «Aber nur, wenn du ein Jahr lang in meinem Haus wohnen willst!» Da es keinen anderen Weg gab, den Ball zurückzubekommen, willigte Felix ein. Er hatte es sehr schön im Haus der alten Frau. Den ganzen Tag lang konnte er in einem reichen Zimmer seinen Studien nachgehen. Alles nötige zum Leben besorgte die Frau.

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April 17, 2008. K-Strasse. 1 Comment.
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Heiner Müller-Gastprofessur für Erich Kästner

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Erich Kästner erhält die Heiner-Müller-Gastprofessur an der Freien Universität und wird in der Philologischen Bibliothek verschneit.

Als im Mensafoyer der neue Boden ausgerollt wurde, las ein Literaturwissenschaftler die nächste Heiner-Müller-Gastprofessur aus dem Linoleum. «Ein solch gelber Boden kann nur die “Yellow Brick Road” von Lyman Frank Baum oder die Strasse auf dem Titelblatt von Erich Kästners “Emil und die Detektive” bedeuten!» freute er sich. Mittlerweile steht fest: Der 1974 verstorbene Kästner wird in diesem Jahr die Literarische Werkstatt für Nachwuchsschriftsteller an der FU leiten.

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April 3, 2008. K-Strasse. No Comments.
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