K-Strasse
Das war schon immer so. Das kann man Scheisse finden. Aber so ist das nun mal. Verstanden? Gut.
Über die lästige Pflicht, seine Hand während einer StuPa-Sitzung aus einem Teller Pommes zu heben.
Inkognito besuchte der Autor dieses Beitrags eine StuPa-Sitzung und wurde sofort erkannt: Gegen eines der Juso-Mitglieder hatte er mal gefochten («Du auch hier?!») und der Abgeordnete der kritischen Liste seines Instituts winkte ihm nur deshalb nicht zu, weil seine Hände an einem Kasten Bier für die Parlamentskollegen blockiert waren. Man nickte sich zu. Erst jetzt bemerkte der Autor sein Malheur: Er hatte sich versehentlich mit einem weissen Hemd in die Reihen der komplett schwarz bekleideten AStA-Koalition gesetzt.
Zur Vorbereitung der Sitzung bat ein Mitglied dieser schwarz-schwarzen Koalition seinen Amtskollegen, ihn doch bitte zu stupsen, wenn er jeweils die Hand zur Abstimmung heben müsse. In der Zwischenzeit deponierte er diese in einem Teller Pommes. «Können wir nicht über alle zusammen abstimmten?» wollte er dann auch wissen, als die neuen vorbestimmten Kandidaten für den Studentischen Verwaltungsrats gewählt durchgewinkt durchgestupst werden sollten. Das erlaubte die Wahlordnung leider nicht. So musste er immerhin vier Mal sein Pfötchen aus den Fritten heben. Weil sich die Oppositionsgruppen der Stimme enthalten hatten, erklärte «Georg, SDS-Die-Linke-Punkt-FU» (so stellte er sich jeweils vor) im Anschluss, dass seine Fraktion nicht aus Boshaftigkeit die Wahl verweigert habe, sondern weil sich keiner der Kandidaten im Voraus vorgestellt hatte. Man wusste also eigentlich nicht, für wen man seine Hand aus den Pommes hob.
Weder das autonome Schwulenreferat, noch das autonome Lesbenreferat oder das autonome Frauenreferat wollen dem StuPa Protokolle vorlegen, aus denen zumindest hervorgehen würde, dass in ihnen überhaupt jemand gewählt wurde. «Das war schon immer so!» verteidigte ein ehemaliges Mitglied des Schwulenreferats, einer Bastion der Tradition, diesen Umstand.
Ohne dass er gestupst wurde, fühlte sich nun auch der Junge mit den Finger in den Pommes veranlasst, zu einer Rede anzusetzen, die die längste (übertraf sowohl «Das war schon immer so!», als auch «Das geht dich nichts an!») und tiefsinnigste (siehe vorangehende Klammerbemerkung) des Nachmittags werden sollte. Es war eine Rede über das Bewahren von Traditionen und den Respekt gegenüber den Entscheidungen seiner Vorfahren. Zusammengefasst: Das wurde so bestimmt; das kann man Scheisse finden; aber das ist nun mal so. Anders als seine schwarzen Amtskollegen im Bundestag stellte er aber nicht etwa nach jedem Satz die Frage: «Nicht wahr?», sondern schloss seine Sätze mit einem: «So.» Was so viel bedeutete wie: «Verstanden? Gut.» Jeglicher Tradition und Schulmeister-Rhetorik zum Trotz, erdreiste sich ein Mitglied der oppositionellen Jusos, den Antrag zu stellen, dass auch die autonomen Referate ein Protokoll vorlegen müssen. «Georg, SDS-Die-Linke-Punkt-FU» bat, eine Fürrede für diesen Antrag zu halten. Doch stellte Tigergürtel, die mit nichts ausser ihren schwarzen Kleidern und einem Tigergürtel bekleidet war, einen Antrag auf Nichtbehandlung des Antrags. So. Dem stimmte sogleich die gesamte schwarz-schwarze Fraktion zu, inklusive dem Typen in der hintersten Reihe mit dem T-Shirt: «Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten.» Verstanden? Gut.
So. Weitere Nachrichten: Der Autor Ulrich Peltzer hätte sich in seinem «Creative Writing»-Seminar – das er eigentlich nicht «Creative Writing»-Seminar nennen möchte – von seinen Studenten mehr Dogmatik gewünscht. Verstanden? Gut. Gegenüber der OSI-Zeitung (pdf) verrät Bodo Zeuner, Professor für Politikwissenschaft, weshalb er die fu frühzeitig verlassen hat: Eine Studentin brachte ihm zwei Mal ein ärztliches Attest ins Seminar. Da sei er gegangen. So. Verstanden? Gut. Auch der Autor dieser Zeilen sollte bald einen Grund zum Gehen erhalten: Kein Attest, aber immerhin einen Master-Diplom der Freien Universität Berlin. Spiegel Online empört sich unterdessen über Freie Universitäten in der Schweiz, die zwar nur einen Briefkasten haben, aber ebenfalls Master-Diplome vergeben. Dem wolle die Schweizer Regierung ebenso wenig einen Riegel schieben wie der Steuerhinterziehung. «Ach die Schweiz!» entgleitet es da dem Autoren. Sie pflegt noch einen letzten Rest Anarchismus in Deutschland. Verstanden? Gut. (mf)
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Bild: Umbau- / Übermalarbeiten, Kennedy-Institut.
«Quo vadis, Amerika?» fragt das neuste Buch der editionBlätter, unter anderem mit einem Beitrag von Barack Obama. Die Morgenpost schreibt, dass Obama noch diesen Monat nach Berlin kommt. Präziser war, wie üblich, die B.Z.: Vielleicht komme er noch diese Woche! «Obama vor dem Schöneberger Rathaus, dem Big Ben, dem Eiffelturm oder gar mit Staatschefs: Solche Bilder machen sich im Wahlkampf gut», sagt Irwin Collier vom Kennedy-Institut gegenüber der Zeitung, die ich in der S-Bahn immer wieder gerne lese, bis sie mein Nachbar in seinen leeren Aktenkoffer packt, nochmals einen Schluck aus der Jackeninnentasche nimmt und am Bundesplatz den Zug verlässt. Der Lokalsender «Tele Dahlem Dorf» füllt sein Sommerloch mit einem Bericht über die Umbauarbeiten unserer Instituts-Bibliothek. – Oh, Pardon, eine Falschmeldung: Es war die Tagesschau der ARD. Mit dem Beitrag verändert sich meine Statistik, wie oft ich unseren Universitätspräsidenten D. Lenzen bereits gesehen habe, wie folgt: In Filmen: telegene 7x (+1) – Auf Fotografien: fotogene 21x (unverändert seit zwei Tagen) – Als Karikatur/Fotomontage/Skulptur: immerhin 6x (unverändert seit drei Tagen) – Real: distanzierte 1x (unverändert seit zwei Jahren). Der Funpreneur-Wettbewerb, ein Innovationsschub der fu, zeichnet das Projekt einer virtuellen Universität mit dem ersten Preis aus: Vorlesungen werden aufgezeichnet und ins Netz gestellt.
Auf Spreeblick schreibt Malte Welding: «Wenn man … lediglich eine bestehende mittelmäßige Uni nimmt, ihr das Etikett „Exzellenzuni“ anpappt und dann weitermacht wie gehabt, mit denselben Professoren, denselben lieblosen Einrichtungen, dann wird es sein wie eh und je: Die Geldelite wird ihre Kinder auf private Schulen und Hochschulen schicken und somit auch die Elite von morgen stellen.» Man müsse aus der Bildung eine nationale Aufgabe machen, vergleichbar mit dem Amerikanischen Flug zum Mond. Professoren müssten, wie Fussballer, von amerikanischen Elite-Unis abgeworben werden. Aus der Baustelle vor der Silberlaube ist immerhin nicht, wie befürchtet, ein liebloser Parkplatz geworden, den man, wie damals in Berekely, aus Protest hätte umgraben und in einen Park verwandeln können. Stattdessen ist ein Beachvolleyballfeld entstanden (in das man aber, falls Bedürfnis zum Protest gegen das Feld besteht, noch immer ein Maisfeld sähen könnte). Die sympathische studentische Plattform Margins sammelt unterdessen Beiträge für ihre nächste Tagung. Thema: Paradiesische Zustände. Wissenschaftlern der fu und der tu ist es gelungen, «den Bildungsweg des Sexuallockstoffes der parasitisch lebenden Wespenart Nasonia vitripennis zu entschlüsseln und dessen Produktionsort zu lokalisieren». (mf)
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