K-Strasse

«Aber ein Bein ist ein Bein»

Silberlaube glänzt I

Willkommen im neuen Semester! begrüsst uns dieses Bild ganz herzlich. Doch beginnen wir mit einem Nachrichtenüberblick:

Die Freie Universität feiert demnächst ihr 60-jähriges Bestehen! Die «Silberlaube» richtet deshalb eine historische Wunderkammer ein und erzählt in ihrer rechten Spalte, wie damals manches gewesen sein könnte, beginnend mit dem Anfang, an dem ein Scherz war.

Auf Bitte des OSI-Club machen wir auf die Ringvorlesung «Medien/Demokratie. Politik und Journalismus in Berlin» aufmerksam. Erschienen ist ausserdem der 5. Newsletter des Kennedy-Instituts, u. a. mit einem Beitrag aus diesem Blog.

Während wir das Märchen von einem erzählen, der sich in eine Villa in Dahlem verirrt, berichtet auf «Spiegel Online» eine Kommilitonin, dass sie ihre Armut ankotzt. Ihre Klamotten seien fast alle markenlos. Soeben ist der 965. Diskussionsbeitrag (Korrektur: Nummer 973) zur «Studentin in Rage» erschienen.

Auch Diskussionen in der hiesigen Blogosphäre ziehen sich gelegentlich in die Länge, enden aber selten so schön wie diese hier auf FUwatch – ein Stück studentisches Kulturgut der Freien Universität 2008:

Die sommerliche Verwirrung beginnt ironisch: Nachdem hier, hier, hier und hier ein «Protestsemester» ausgerufen wurde, reagiert Ronny von der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) mit einem ironischem: «Juchhu!» Gegenmeinungen seien ja nicht zu erwarten, weil sich eventuelle Protestgegner von den Vollversammlungen sowieso abgestossen fühlten. Postwendend wirft ihm ein anonymer Stefan vor, die grosse Verschwörung der kleinen “linken Sekten” zu beklagen und die Studis auseinander zu treiben. Und Mathias von den kritischen Philosophen will wissen, ob er, Ronny, hier eigentlich ein künstliches “Wir [LHG] gegen die Anderen [unbekannte Variable]” konstruiere.

Antworten tut vorerst aber nicht Ronny, sondern Wolf. Ob “sie”, fragte er, meint damit zwar “sie”, die irgendwie linken an der FU, aber eben auch “sie”, Stefan und Mathias (was zwar das gleiche sein könnte, aber eben nicht muss), ob “sie” also wirklich glauben, dass die LHG den Boykott der ordentlich gewählten Fachschaftsräten akzeptieren werde? Diesen nicht thematischen Einschub lässt Mathias natürlich nicht auf sich sitzen und wirft Wolf «verfehlte Pauschalzuschreibung» von irgendwelchen Vorwürfen auf ein künstlich konstruiertes “Euch” und “Ihr” vor. Auch auf ihn, Mathias, beispielsweise. Das wiederum lässt Wolf nicht auf sich sitzen: Mathias arbeite mit rhetorischen Tricks!

«Och menno», meldet sich endlich Ronny zurück. Da meine er es mal lustig und dann arte das gleich wieder so aus. Also alles falscher Alarm. Ein Scherzanruf. Ab zurück ins Depot! – Doch will jetzt ein Dennis wissen, wo Wolfs Problem liegt. Wenn die 98% der Studierenden ihren A**** nicht hochkriegen, zur VV zu gehen, dann sei das nicht “unser” Problem. Das wiederum ist ein wenig konfus, weil ein “dennis” noch keine Gruppe ist. Also wessen Problem ist hier nun “unser” Problem nicht? Allgemeine Verunsicherung. Sicherheitshalber bezeichnen sich alle plötzlich nur noch mit Anführungszeichen. Das verleiht der Diskussion zwar eine postmoderne, diskursive Note, trägt aber nichts zur Klärung der einfachen Fragen bei: Wer streitet hier eigentlich mit wem? Und worüber?

In dem Moment setzt jedoch Dennis einen drauf und behauptet, dass die LHG ja sowieso kein Bein mehr auf den Boden kriege. Das wirkt zwar spontan auf die Bühne geschmissen und wird auch nicht weiter begründet, leitet aber elegant die Dürrenmatt’sche Wende in diesem Abende füllenden Bühnenstück ein. Sofort verteidigt Thomas, dass die LHG sehr wohl «ein Bein auf dem Boden» habe. Es möge, schränkte er zwar ein, nur ein kleines Bein sein. Doch dann schliesst er nicht etwa einem FU-üblichen: «Aber trotzdem werden wir “euch” damit kicken!», sondern macht das wahrscheinlich schlichteste und versöhnlichste Statement in der Studentischen Hochschulpolitik seit Rudi Dutschke. Einfach mal nur: «Aber ein Bein ist ein Bein.» Ist es ein rechtes oder ein linkes? Lässt sich das bei Beinen überhaupt so pauschal sagen? Gehört es zu einem jener Ä****, die 98% der Studenten nicht zum protestieren hochkriegen? Für ein Mal alles geschenkt. Und so lasst uns alle zum Refrain von Live-is-Life singen: «Bein ist Bein, na na, nana na!»

Auf ein heiteres Sommersemester!


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April 19, 2008. K-Strasse. 3 Comments.

Copyright: Creative Commons

3 Comments


  1. Mathias Bartelt replied:

    Lieber Martin,

    was wäre die Welt nur ohne die Karikaturisten und, natürlich, -innen.

    Vielen Dank dafür.

    Ich finde übrigens auch: Ein Arm ist ein Arm. Dieses Zitat steht natürlich unter freier Lizenz.
    Wie steht es eigentlich mit der Rechts- oder Linkslastigkeit des Kopfes?

    :-)

    Mathias

    April 19th, 2008 at 11:27 am. Permalink.


  2. martin fischer replied:

    Lieber Mathias,

    wie es mit der Rechts- oder Linkslastigkeit des Kopfes steht? Nun, auch wenn der Wendehals in der Politik verpönt ist: Köpfe gehören auf drehbare Hälse!

    Viel Spass im neuen Semester!

    April 19th, 2008 at 12:25 pm. Permalink.


  3. Mathias Bartelt replied:

    Lieber Martin,

    es scheint doch nicht möglich, der Kategorisierung, dem Bekenntniszwang zu entkommen.

    So bekenne ich mich denn dazu, ein Hals zu sein. Und Hals ist Hals. Das kannst Du drehen, wie Du willst.

    ;-)

    Mathias

    April 20th, 2008 at 5:24 am. Permalink.

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