Dahlempendler

Mathias Bartelt und weshalb er momentan vor allem Kreuzchen zählt

Mathias

41 Listen treten in diesen Tagen zu den StuPa-Wahlen an. Sie heissen «Orient Express», «Roland’s Raucherliste» oder schlicht und einfach «GEO». Aber wer sind eigentlich die Leute, die an der FU Politik machen? Hier sollen welche vorgestellt werden. Zum Beispiel Mathias Bartelt von der Liste «Philosophierende – Die kritische Vernunft». Aufgezeichnet von: Herrfischer

Der Beginn meines hochschulpolitischen Engagements lässt sich ziemlich genau datieren: Wintersemester 03/04. Der letzte grosse Streik. Und ich war, zumindest am Anfang, dagegen. Plötzlich tauchten hier am philosophischen Institut Leute auf, von denen man vorher nie viel gehört hatte, die aber jetzt plötzlich das Haus besetzen wollten. Natürlich war auch ich gegen die Kürzungen. Aber unser Institut blockieren? Das brach von einem Moment auf den anderen über uns herein und erschien mir so irreal und affektiert. Eine Besetzung kommt doch immer auch auf die internen Diskussionen und Argumente an. Stattdessen kam da etwas von aussen. Das empfand ich als Diktat.


Mein Ansatz ist integrativ und antiideologisch. Ich sage immer: Ich kann mit allen reden und schwimme zwischen allen Milieus, vertrete zwar durchaus meine Positionen, die ich aber permanent reflektiere und hinterfrage. Diesen Ansatz bringe ich auch hier am Institut ein, wo man mit kompetenter Arbeit eine ganze Menge erreichen kann! So haben wir Studierende beispielsweise eine eigene Masterordnung erarbeitet, an der FU, so weit ich weiss, ein Präzedenzfall.

Aber auch auf Universitätsebene lässt sich einiges bewirken. Ich gehöre zu den Initiatoren der so genannten «Studierbarkeitsumfrage», mit der wir versuchen, der Studienrealität an der FU auf den Zahn zu fühlen. Im FU-Präsidium hat das durchaus für Irritationen gesorgt. Nicht zuletzt, weil wir damit die Glaubwürdigkeit und Neutralität der vom Präsidium in Auftrag gebenenen Bachelor-Umfrage angezweifelt hatten. Zudem hatte eine vergleichbare studentische Umfrage an der HU Dinge hervorgebracht, die nicht unbedingt gern gehört worden waren. So ist man mittlerweile auch an den Resultaten unserer Umfrage interessiert. Noch müssen aber die 1500 Fragebögen ausgezählt werden, Kreuzchen für Kreuzchen.

Ausserdem ist es mir kürzlich gelungen, den offiziellen «Studienerfolgsbericht» der FU zu veröffentlichen, den das Präsidium unter Verschluss zu halten versucht hatte. Das war ein immenser Erfolg für alle! In den Fachbereichen stossen die eilig gemachten Vorgaben zwischen Präsidium und Fachbereichen jetzt zunehmend auf Widerstand und lassen selbst ProfessorInnen zweifeln, ob das Präsidium noch weiss, was es tut. Das bewerte ich schon auch als persönlichen Erfolg. Schliesslich wollten alle an diesen Bericht. Der AStA hat es mit Protest und Fordern versucht. Die Liberale Hochschulgruppe hat darüber geredet, rechtlich an den Berichte zu kommen. Beide ohne Erfolg.

Das Studium, das ich noch erlebt hatte, war ein sehr viel freiheitlicheres. Die Zahl der Veranstaltungen war wesentlich grösser und man konnte sie selbst aussuchen. Damals hatten wir total offene Studiengänge, jetzt wird das totale Gegenteil geschaffen. Aber es müssen auch Alternativen erhalten bleiben! Wenn jedoch den Fachbereichen durch das Präsidium, das die Realität in den Instituten nicht kennt, Vorgaben gemacht werden, die den Besonderheiten des jeweiligen Fachs nicht gerecht werden, dann ist das wieder eines dieser Diktate von Aussen, irreal und affektiert. Dagegen wehre ich mich.

Für den Streik 03/04 hatte ich mich eine Woche später dann doch noch ausgesprochen. Allerdings erst, nachdem auf der FU-Vollversammlung klar entschieden worden war, Besetzungen den Instituten und Fächern zu überlassen. Mit diesem Kompromiss konnten auch die meisten Streikgegner leben und er hat das Überleben des Protests für sehr viel längere Zeit gesichert. Vielleicht ein Vorbild für die wie auch immer geartete Reform des Studiums: Indem man mit den Leuten kommuniziert, kann man Dinge erreichen, die man allein mit Protest und auf rechtlichem Wege nicht unbedingt erreichen würde.

Mathias Bartelt studiert Philosophie und Geschichte und tritt bei den StuPa-Wahlen als Spitzenkandidat der offenen Liste «Philosophierende – Die kritische Vernunft» an, die sich vor allem aus der FSI Philosophie rekrutiert. Ob sich die Liste, sofern sie in das StuPa einzieht, an der bestehenden AStA-Koalition beteiligen wird, steht noch nicht fest. «Ich kann mit allen Seiten reden und wir werden uns anschauen, was die Koalitionsgespräche ergeben», meint Bartelt.


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January 13, 2008. Dahlempendler. No Comments.

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