Rule, Britannia

First Steps (nicht nur zur German Society)

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Kerstin sieht rot: Sie trägt sich in Cambridge bei den Marxisten ein, kriegt es mit 68 (Mails) zu tun und wird lebenslanges Mitglied der German Society. Über einen Integrationsversuch.

England, Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer hätte gedacht, dass Du so überwältigend bunt sein kannst? Der Matrikulationsveranstaltung folgt das Fresher’s Feast, bei dem ich meine neue, schöne, glänzende Gown endlich in angemessener Umgebung ausführen kann. Fahnen von der Decke, Kerzen allüberall, strikt hierarchische Sitzordnung und draußen der dunkle, verwinkelte, sinistre Garten, dessen Bäume an die erleuchteten Fenster kratzen. Alle Collegemitglieder sind versammelt, wir Unerfahrenen durch eine Mail darauf hingewiesen „that neat clothing is required“, die Principal hält eine kurze Rede, und mit ihrem lateinischen Spruch beginnt der vergnügliche, und vor allem leckere Teil des Collegelebens. Vier Gänge, zur Feier des Tages, Wein as much as you can drink, aber vor allem Namenskärtchen und Menukarten mit dem Collegewappen (erhaben, nicht einfach gedruckt), und ein Gong, der den Abend beschließt. Alle erheben sich, wir ziehen weiter in die hauseigene Bar, mehr Bier, mehr Wein umsonst. Schnelles Freundschaftschließen. Das anschließende Wanken ins Bett inklusive. Aber man ist ja jetzt verschwistert, man bringt sich gegenseitig in die Zimmer. Alles ist gut. Jeder mag sich. Schön.

Mein Willkommensgeschenk am nächsten Tag: ein englischer Kater und die Societies Fair. Ersteres ist auszuhalten, aber nur wenn zweiteres nicht dazu kommt. Der Reihe nach. Auf der Societies Fair stellen sich die Vereinigungen, Gesellschaften, Gruppen und Assoziationen der Universität vor und ködern ihre Opfer mit free stuff. Das funktioniert so gut, dass die Angela-freundliche Autorin dieser Zeilen sich auf eine Marxisten-Liste eingetragen hat - ich bin gespannt auf das erste Treffen.

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May 27, 2008. Rule, Britannia. No Comments.
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K-Strasse

Ehrendoktor Reich-Ranicki spielt Ego-Talker Dutschke durch Henry-Ford-Bau*

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Ein Nachrichtenüberblick von und mit
B. A. M. Fischer und David Goldwich

Die «Aktionswoche» des laufenden Protestsemester neigt sich dem Ende entgegen. Ein Aktionsplenum forderte den Rücktritt von Präsident Dieter Lenzen und «Lenzen du Schweinesau» hatte ein Unbekannter auf ein Unigebäude gesprüht. Aus Protest gegen Lenzen, Sexismus und Rassismus haben Studierende im Innenhof der Silberlaube ein Camp errichtet. In der Mensa hat die Grüne Bundestagsfraktion ein Sofa aufgebaut, um zu diskutieren, wie Zugangshürden zur Hochschule eingerissen werden könnten. Daraufhin wurde das Sofa, ebenfalls von «Studierenden», gekapert und aufs Dach verlegt. Wegen Afghanistan. Man sehe keine gemeinsame Diskussionsgrundlage mit den Grünen.

«Grandios programmiert und hocherotisch!» wird Marcel Reich-Ranicki, Ehrendoktor der Freien Universität, auf der Hülle eines Computerspiels zitiert, mit dem man angeblich Rudi Dutschke an der Freien Universität spielen kann. Die Hülle kursiert zur Zeit, ohne dazugehörige DVD, an der Universität. Das Gütesiegel Elke Heidenreich lässt sich darauf zitieren, sie habe das Spiel «unheimlich gern gespielt». Ebenso scheint die Bundeszentrale für politische Bildung von der demokratisierenden Wirkung des Ego-Talkers überzeugt zu sein. «Ein wichtiges Spiel», urteilt sie und stellt es auf Platz 2 ihrer Liste der 36 Computerspiele, die jeder Deutsche Staatsbürger gespielt haben sollte. Noch vor Soltaire (Platz 18) und Minesweeper (Platz 22). Harold Kluge, Professor an der Freien Universität, hatte einst Klage gegen den Hersteller erwogen, wegen Geschichtsverzerrung und Gewaltverherrlichung. Anstatt aus dem Fenster des Erdgeschoss wird Professor Schwan, damals verheiratet mit Gesine Schwan, die für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren möchte, aus dem dritten Stock geworfen. Kluge hat das Spiel in der Zwischenzeit «ausgedruckt und durchgelesen» und ist zum Schluss gekommen: «Es hat Fehler!» Einer Zeitzeugin zufolge soll Dutschke nie mit einem Klavier mit der U-Bahn zur Universität gefahren sein.

Eine Rede Richard Löwenthals, zu Dutschkes Zeiten ebenfalls Professor an der Freien Universität, soll sich auch in Dokumentation zur Freien Universität befinden. Götz Aly hatte das Gegenteil behauptet, weil die FU-Dokumentationen von ehemaligen Linksradikalen zusammengestellt worden seien. Trotz dieser Fehler bringe die Bundeszentrale für politische Bildung Alys Buch in Umlauf, bemängelt die Frankfurter Rundschau.

Die Universität Greifswald hat einem ihrer Studenten verboten, unter «Uni-Greifswald-Blog.de» über die Uni Greifswald zu bloggen. Mit dem Inhalt habe diese Entscheidung nichts zu tun. Niklas Fichtenberg, der bei FUwatch über die Freie Universität bloggt, soll «leichte daß/das-schwächen» haben, die jedoch nicht annähernd so stark seien wie jene in einem Beitrag des Berliner Bündnis für Freie Bildung.

*Disclaimer: Silberlaube.de ist ein satirisches Blog.

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May 22, 2008. K-Strasse. No Comments.
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Herrfischer

Im Polnischen Jagdrevier von Professoren im Selbstversuch

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In Polen gewesen und mit Pistole geschossen: Herrfischer tat an Pfingsten gleich zwei Dinge zum ersten Mal. Der Mann in der Fotogalerie Mitte-rechts (siehe oben) ist er trotzdem nicht.

Bei der Rangverkündigung der letzten Hochschulmeisterschaften musste ich ja sogar zum zweitletzten Platz applaudieren. Damit niemand merkte, dass ich ihn belegt hatte. Danach nahm ich das Angebot, in Polen drei Tage lang meinen Unterarm zu trainieren, dankbar an.

Das angenehme an diesen Unisport-Reisen ist, dass man vom Ziel der Reise keine Ahnung haben muss. Man trifft sich am Ostbahnhof, folgt seinen Leuten und fährt ein paar Stunden durch Plantagenwald. Bis man in einem Land ankommt, von dem man nur weiss, dass man auf der Strasse keine Männer ansprechen soll, die Baseballschläger hinter ihrem Rücken tragen (was einem Hinweisschild in der Eisenbahn entnommen ist).

Unsere Fechttruppe trifft also in dieser sozialistischen Sportanlage irgendwo in Polen ein, die sonst von niemand anderem besetzt ist als einer 3er-Gruppe Deutscher Jäger. Wahrscheinlich linke Professoren der Freien Universität oder so was ähnliches. Der eine ist schlecht gelaunt, schlecht rasiert und trägt einen Tarnanzug. Schleppt sich, mit einem Krokodilszahn an der Halskette, auf zwei Krücken vom Saloon (die ganze Anlage ist eine Hommage an den Wilden Westen) in die Schiesshalle und von dort in den Speisesaal. Eindeutig Politologe im Selbstversuch. Er wird ständig begleitet von einem jungen Mann, der an ihm so eine Art Zivildienst ausübt und etwas introvertiert wirkt. Der Dritte, ich schätze mal der war Soziologe, verschwand jeweils am Morgen in seiner biederen Jägeruniform (mit grüner Krawatte mit aufgesticktem Jägerwappen) im Wald und kam abends – tobend vor Wut über «die Drecksviecher!» – zurück. In Zukunft wird er sich wieder dem Verhalten von Menschen widmen.

Weil jemand unserer Gruppe auf die Idee kam, dass auch wir die Schiessanlage ausprobieren sollten – «wo wir doch schon mal in Polen sind» – lernen wir den Politologen sogar noch kennen. Der sitzt da in seinem Camouflage-Anzug, imitiert mit seiner Krücke ein Gewehr und zielt auf die Scheibe, während sein Zivi für ihn mit der Luftpistole die Schüsse abgibt. «Poah, der hat n’Schussbild!» staunt unsere Kursleiterin. Der Politologe nickt, lädt seine Krücke nach und der Pole mit den grauen Plastikhaaren, in denen sich sogar das Neonlicht seiner Anlage spiegelt, drückt mir eine Pistole in die Hand. Er trägt einen Ohrenschutz und versteht vielleicht auch deshalb kein Deutsch. «Durchziehen!» und «Point a target!» redet er auf mich ein (wahrscheinlich Rilke-Experte), während ich zu erklären versuche, dass ich bei den letzten Hochschulmeisterschaften im Fechten für zweitletzten Platz applaudiert habe.

Am Abend sitze ich vor dem Fernseher, schaue mir eine polnische Soap Opera an, versteh’ kein Wort und versuche mit einem spitzen Bleistift meine Zielscheibe so zu löchern, dass sie halbwegs jenen meiner Zimmerkollegen gleicht. Da wird in der Sendung ein Polnischer Priester mit einer Polnischen Putzfrau in seinem Zimmer erwischt. Haha, ausgerechnet mit der Putzfrau! Das heitert jeden auf.

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May 13, 2008. Herrfischer. 2 Comments.
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K-Strasse

Pfingstpause

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May 9, 2008. K-Strasse. No Comments.
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Rule, Britannia

Matriculation: Der Universität ins Gästebuch

Der “SDS” der Linkspartei hat die Freie Universität in «Benno Ohnesorg» umbenannt. Unterdessen schreibt Kerstin Koster ihren Namen in die Annalen der Universität Cambridge ein, fragt, ob die FU – oder BOU – ebenfalls exzellent sei, und spielt Batman [apropos].

Angekommen. Mein Zimmer ist von mir rechtmäßig bezogen worden, und alle Gegenstände auf meiner Inventurliste („Curtain, torn; Wall, parts ripped off; Chair, worn“) wurden penibel abgehakt, denn jeder Fleck, der vorher nicht da war, wird mich 10 Pfund kosten. Nach Abschluss des praktische Teil des Eingewöhnens, kann ich mich nun dem symbolischen widmen. Am Ende der Woche wartete die Matriculation Ceremony auf mich, für die ich weder eine Wartenummer ziehen, noch meine Fächerkombination genehmigt bekommen musste. Meine Auflage ist anderer Art: „We expect you to be dressed neatly.“ Ich ziehe also los mir eine Gown zu kaufen, diese in den Harry Potter-Filmen zu bewundernden schwarzen Umhänge, die mir schon bei der Anprobe das Gefühl grenzenloser Autorität verleihen. Nachdem ich mich für ein nachtschwarzes Dreieck verschuldet habe, schaue ich oberlippenrümpfend auf all die gown-losen Touristen, bis mich das Schaufenster unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück bringt. Dort hängt nämlich der wirklich gute Stoff. Des Kaisers große Kleider.

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April 24, 2008. Rule, Britannia. No Comments.
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